Fachtechnologie


Fachtechnologie – die Wissensbasis der Restaurierung

Ein Kunstobjekt, zumal ein kunsthandwerkliches, kann aus unterschiedlichsten Materialien bestehen und mit vielfältigsten historischen Fertigungs- und Dekorationstechniken gestaltet sein.
Daher schließt kein anderes Fach so vielseitige Bereiche ein wie die Fachtechnologie und entsprechend hoch ist ihr Stellenwert in der Ausbildung.

Zwei unterschiedliche Lackmaterialien:
Der Schellack, ein Naturstoff, welcher aus den Ausscheidungen einer Schildlausart besteht,
und das synthetisch hergestellte Regalit, welches für Retuschen verwendet werden kann.
Das Untersuchen und Erkennen von Konstruktionen, Materialien und Dekorationstechniken ist die Grundlage für das Erfassen der technischen Seite eines Kunstgegenstandes, wie z.B. seine Eigenschaften, aber auch sein Alter und seine Herkunft.
Innerhalb dieser einzelnen Themengebiete gibt es spezifische Unterteilungen. Zum Beispiel behandelt die Materialkunde neben dem klassischen Werkstoff Holz auch dessen Veredelungsmaterialien wie Perlmutt, Papier, Schildpatt, asiatische Lacke und vieles mehr. Zu diesem Themenkreis gehören auch die Untersuchungsmöglichkeiten, welche die Bestimmung der technischen Komponenten eines Kunstgegenstandes ermöglichen. Dieser Bereich stellt denjenigen Bestandteil des Fachs dar, der sich direkt auf das Objekt selbst bezieht.
Der zweite große Bereich des Fachs umfasst die Voraussetzungen für die Entscheidungen im Umgang mit dem Objekt. Die oben genannten Kenntnisse sind der Ausgangspunkt für das Erkennen von Schäden und ihren möglichen Ursachen.
Welcher Schädling hat das Holz befallen? Ist eine Farbveränderung durch Pilzbefall oder Lichteinstrahlung eingetreten? Liegt die Schadensursache in der Materialbeschaffenheit des Kunstwerks selbst? Von der Beantwortung dieser Fragen hängt die Art der gesamten restauratorischen Maßnahme ab. Doch ist die Restaurierung, das heißt die Schadensbehebung, nicht das alleinige Thema. Bei vorhersehbaren Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Licht- oder klimabedingten Zustandsveränderungen und Schäden im Ausstellungswesen sind entsprechende präventive Maßnahmen zu treffen, das bedeutet Schadensvermeidung bereits im Vorfeld. Alle Überlegungen aus restaurierungsethischer und technischer Sicht zur Schadensbehebung, Schadensprävention oder auch zur Konservierung des Status quo sind ebenfalls Gegenstand dieses Faches. In diesem Zusammenhang werden in systematischer Weise verschiedene Restaurierungsproblematiken anhand von verschiedenen Fallbeispielen dargelegt und deren unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Die zur Schadensbehebung bzw. Konservierung notwendigen Techniken und Materialien werden vorgestellt und ihre Vor- und Nachteile erwogen.
Ziel ist es, aufgrund dieses Wissens ein verantwortungsvolles, selbstständiges Herangehen an Problemstellungen und somit ein entsprechendes Vorgehen zu ermöglichen.

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